Dienstag, d.24.4.2012: Tierheim und Konzert 

 

Ein Comenius-Projekt bedeutet Kennenlernen anderer europäischer Kulturen, aber eben auch Projektarbeit. Während unsere Gastgeber nach Wunsch der übrigen Partner den ersten Teil sehr detailliert gestalteten, tauchte der zweite Teil recht wenig auf. In lange vorangegangener Absprache mit unserer türkischen Kollegin verzichtete die GaM-Gruppe daher am Dienstag auf eine sight-seeing-Tour zu diversen sehr sehenswerten Palästen, um das Thema des Projektes "Animal protection in Europe" etwas stärker zu betrachten. Das Gemeindetierheim in Yedikule war unser Ansprechpartner.

 

       

Hinweisschild

 

Straße zum Tierheim

 

Gespräch mit der Tierheimleiterin

 

Wir waren erstaunt, wie gut das Tierheim zu finden war: Direkt an der Bushaltestelle der meist frequentierten Strecke fand sich sehr gut sichtbar das Hinweisschild. Wir bogen in die angezeigte Richtung ein und - waren sofort von Fell umgeben. Denn direkt um die Ecke befindet sich bereits das Tierheim. Auch auf der Straße davor sind viele Hunde, teils an langer Leine an Hütten festgemacht, teils frei. Frau Olcay, die Tierheimleiterin, und andere Mitarbeiter begrüßten uns freundlich. Auf unseren Dolmetscher, einen der Freiwilligen, mussten wir noch fast eine Stunde warten, da der morgendliche Großstadtstau ihn festhielt. Die Zeit verging aber schnell, da viele Hunde uns zu Streicheleinheiten aufforderten. 

Und dann erschien unser Ansprechpartner und bei einem Rundgang und langem Gespräch erfuhren wir viele Einzelheiten. 

3100 Hunde werden zur Zeit im Tierheim betreut. Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und liebevoll zu den Tieren, auch der Tierarzt, der vorbeikam, macht seinen Job dort gern. %0 % der Finanzierung übernimmt die Gemeinde, der Rest wird durch Spenden aufgebracht. Dieses Verhältnis sichert, dass die Gemeinde keine Tötungen vornimmt.

Tiere werden nur in Istanbul vermittelt und nur mit Vor- und Nachkontrolle, allerdings nur an Eigenheim-besitzer. So wurden in den letzten 10 Jahren etwa 1200 Tiere vermittelt. 

Gehalten werden die Hunde in Rudeln, es gibt auch Freiläufer. Manche Gehege sind großzügig, andere sehr überfüllt. Ständig kommen neue Fund- und Abgabetiere dazu. Natürlich werden alle kastriert. 

Die Leiterin, Architektin, hat das Areal gestaltet, erweitert, eine erneute Erweiterung ist in Angriff genommen.

Die Freiwilligen und Angestellten (22, zur Hälfte von der Gemeinde, zur Hälfte privat angestellt) arbeiten mit Schulklassen und sonstiger Aufklärungsarbeit, um für einen verantwortungsvollen Umgang zu werben.

 

 

       

einer von vielen

 

Mischling und Rassehund, vom Besitzer abgegeben

 

vor dem Tierheim

 

Das Tierheim liegt  an historischem Ort: direkt an der Thedosianischen Mauer, die Istanbul, als es noch Konstantinopel hieß, lange Zeit uneinnehmbar sein ließ - bis zu jenem verhängnisvollen Tag im Mai 1453, als eine der Ausfallpforten aus ungeklärten Gründen offenblieb und die Truppen des Sultans Mehmet, dann Eroberer genannt, eindringen konnten.

Da einige der Projektteilnehmer sich im Lateinunterricht anhand eines Textes aus dem 16.Jh. mit genau dieser Mauer und dem Kampfgeist der Truppen des Sultans beschäftigt hatten, wurde der Besuch im Tierheim natürlich auch zum Erstellen eigenen Bildmaterials zum Lateinreferat genutzt. Wobei sich an der Mauer auch anderes Erstaunliche befand, z.B. ein open air Fitness-Studio, das von Tomke und Laura sogleich erprobt wurde:

 

 

       

Mauerrest

 

Freizeitbereich an historischem Ort

 

Tomke und Laura testen

 

 

Die Wartezeit auf den Bus zurück verbrachten wir mit einem Spaziergang am Ufer des Marmarameeres - Beton bzw. Stein und "Grünstrand", fast wie zu Hause also. Ein paar Stunden Freizeit schlossen sich an.

 

Am Abend dann hatten wir die Möglichkeit zur Teilnahme an einem einmaligen Konzert:

 

              "Music for the One God - Musik der drei Weltreligionen" .

 

Nur mit Einladung konnten Zuhörer an den mit Maschinenpistolen versehenen Soldaten am ersten Tor des Topkapie-Palastes, dessen erster Hof für diese Veranstaltung gesperrt war, vorbei. Und dreizehn solcher Tickets hatte uns der musikalischen Leiter, Herr Mehmet Yesilcay, netterweise zukommen lassen. Möglich war dies dank Tamara, die in ihrem Lateinthema über Istanbul im 16.Jh. einen Link genannt hatte, über den Frau Wischer auf das mitwirkende Pera-Ensemble gestoßen war, sich dafür begeistert hatte; eine Anfrage per email folgte und schließlich waren wir hier: vor der Hagia Irini, einem der am besten erhaltenen Bauten des byzantinischen Konstantinopel. Allein der Ort war schon ein Erlebnis, ist dies Gebäude doch nur zu Konzerten zugänglich. Eineinhalb Stunden vor beginn schon sollten wir da sein und konnten Botschaftsgästen beim Ankommen und dem Fernsehteam bei seinen Vorbereitungen zusehen.

Und dann das Konzert, bei dem geistliche Musik aus Islam, Judentum und Christentum - orthodox, katholisch und protestantisch - auf historischen Instrumenten erklang. Begeistert haben uns die Stimmen der Solisten: einer Sopranistin und eines Countertenors. Ungewohnt war, Bachs "Jesus bleibet meine Freude" auf historischen türkischen Instrumenten - z.B. einer Zimbel anstelle eines Cembalos - zu hören. Unterschiede zwischen Mehrstimmigkeit der "westlichen" Musik und der einstimmigen "östlichen" Musik wurden deutlich; interessant waren die vorgenommenen Zusammenführungen.

 

 

 

       

Konzertbeginn

 

festliche Hagia Irini

 

historische Instrumente aus der Zeit der Sultane

 

 

 

 

 

 

     

 

 

ein Comeniusprojekt am Gymnasium am Mühlenweg, Wilhelmshaven  | Impressum